Angelika Zollmann fragte am 13.01.2017

Welche Themen aus dem Bereich Frauengesundheit werden in den nächsten Jahren besonders wichtig sein und wie kann der Verwaltungsrat (Gender)Gerechtigkeit im Gesundheitswesen fördern?

Ulrike Hauffe antwortete

- Ganz sicher wird uns das Thema Schwangerschaft und Geburt beschäftigen, denn es wird in Kürze vom BMG ein neues Nationales Gesundheitsziel veröffentlicht, das als Ziel hat, Schwangerschaft und Geburt wieder aus der Risiko-Schiene zu führen: Frau KANN Schwangerschaft und Frau KANN gebären.
- Auf jeden Fall muss aber in dem Zusammenhang etwas für den Hebammenberuf getan werden, denn Hebammen sind bedeutungsvoll für ein normales (Er)Leben von Schwangerschaft und Geburt. Die Arbeitsbedingungen für sie in den Frauenkliniken sind derzeit mehr als verbesserungswürdig. Bei beidem haben Krankenkassen Einfluss.
- Die geschlechtssensible Umsetzung des Präventionsgesetzes wird eine große Aufgabe sein, insbesondere in den beiden wichtigsten Säulen des Gesetzes: Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) und soziale Lage, dem sog. Setting-Ansatz.
- Körperliche Selbstoptimierung ist ein schwieriges Thema, besonders für Frauen. Eine Erscheinungsform sind die Essstörungen. Ich weiß nicht, ob bekannt ist, dass die Magersucht die Krankheit mit der höchsten Todesrate im Jugendalter ist. Mädchen sind zu 90% betroffen.
- Viele Frauen und Mädchen erleben Gewalt, meistens im familiären Umfeld. Wir brauchen Licht in den Zusammenhang von Gewalt und gesundheitlichen Störungen.
Auch Frauen und Mädchen, die geflohen sind, sind zu einem Teil traumatisiert. Manche hat ihre Flucht mit ihrem Körper bezahlt. Hier bedarf es eines Ausbaus der Hilfeleistungseinrichtungen.

Krankenkassen können durch sinnvolle Aufklärung helfen, sich selber eine informierte Entscheidung bilden zu können.
Und mit den Daten der Krankenkasse können besondere Lebenslagen von Frauen untersucht und zielgerichtete Vorschläge zur Versorgung gemacht werden. Hier hätte ich ganz viele Ideen!