Diana Schmidt fragte am 22.02.2017

Ist es eigentlich richtig, dass mir in Arztpraxen – durchaus mit Druck - immer wieder kostenpflichtige Angebote gemacht werden können? Ich empfinde das als extrem störend.

Ulrike Hauffe antwortete

Oh ja, liebe Frau Schmidt,

diese Situation kenne ich auch und finde sie ätzend. Ich muss das so deutlich sagen. Hintergrund ist, dass Ärztinnen und Ärzte sogenannte IGeLeistungen anbieten können. Das ist die Kurzform für "Individuelle Gesundheitsleistungen". Das sind Angebote, die nicht durch die Krankenkasse finanziert werden dürfen, weil sie bisher nicht durch das oberste beschlussfassende Gremium im Gesundheitswesen, dem Gemeinsamen Bundesausschuss als sinnvoll und wirkend erklärt worden sind. Sie finden alle IGeLeistungen wunderbar aufbereitet auf dem Portal www.igel-monitor.de. Dort können Sie erfahren, ob sich hinter dem ärztlichen Angebot eine sinnvolle Leistung verbirgt. Sie werden dann unschwer erkennen, dass die meisten IGeL-Angebote als nicht schädlich, aber überflüssig beurteilt werden.
Und so etwas will ich nicht bezahlen, Sie wahrscheinlich auch nicht!
Und wenn z.B. die Sprechstundenhilfe, also die medizinische Fachangestellte Ihrer Augenärztin Ihnen noch bevor Sie im Untersuchungszimmer waren, die Augeninnendruckmessung anbietet und Sie sollen direkt dafür Geld hinlegen, kann ich Ihnen nur sagen: Sollte sich bei der Untersuchung (!) herausstellen, dass die Augeninnendruckmessung als Diagnostik jetzt zielführend ist, kann sie angeordnet durchgeführt und von der Krankenkasse bezahlt werden.
Wenn Ihnen meine Ausführungen geholfen haben freue ich mich. Fatal finde ich, dass das für mich eigentlich normale Vertrauensverhältnis zum Arzt oder zur Ärztin gestört ist, weil sie jetzt als Kaufleute daherkommen. Und ich suche mir meine Ärztin oder meinen Arzt auch danach aus, dass sie mich mit IGeLeistungen verschonen.
Wählen Sie bei der Sozialwahl - und dann gerne die verdi-Liste, denn wir kümmern uns genau auch um solche Themenstellungen.

Ihre
Ulrike Hauffe