Melanie Andres fragte am 07.05.2017

Sehr geehrte Frau Hauffe, nachdem ich einige Antworten von "Ihren Mitstreitern" gelesen haben, möchte ich Ihnen meinen Respekt für Ihre qualifizierten und ehrlichen Antworten aussprechen. Diese haben mich davon überzeugt, Ihnen eine meiner vielen Fragen zu senden: Haben Sie sich bisher mit der angespannten Situation der Hebammen in den Kliniken (angestellte Hebammen und Beleghebammen) beschäftigt und den erschreckenden Auswirkungen auf die Geburtshilfe incl. Wochenbettstation und damit auf die (körperliche und v.a. seelische) Gesundheit der Frauen (und Männer) und natürlich der zukunftigen Gestalter unserer Gesellschaft? Welche konkreten Schritte planen Sie bzw. Verdi, um die Situationen in den Kliniken "zeitnah" zu diesem Thema zu verbessern? Inwieweit setzen Sie sich ein für den Erhalt kleiner geburtshilflichen Kliniken mit guter Geburtshilfe ein? Wie ist die Festlegung von Verdi bzgl. des maximalen Anfahrtsweges, den Gebärende in Zukunft auf sich nehmen sollen, um zu einem Kreißsaal zu gelangen? Ich danke Ihnen für Ihr Engagement und bin sehr gespannt auf Ihre Antwort. Melanie

Ulrike Hauffe antwortete

Sehr geehrte Frau Andres,

wie gut es tut, wenn man solch eine Rückmeldung wie die Ihre bekommt. Vielen Dank. Ja, ich nehme die Fragen an mich sehr ernst und versuche sie bestmöglich zu beantworten. Mir gefällt sehr, dass verdi Geld in die Hand genommen und diese Seite mit den Fragemöglichkeiten in Auftrag gegeben hat. So können wir alle, die kandidieren, unsere Kompetenz deutlich werden lassen.
Nun zum Thema "Hebammen". Ich weiß nicht, ob Ihnen bekannt ist, dass ich mich seit Jahren, nein Jahrzehnten für die Arbeit der Hebammen engagiere. Früher als Psychologin, die in Klinik und Praxis mit schwangeren Frauen gearbeitet hat, auch viele Jahre als Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe, dann seit 1994 in meinem Amt als Bremer Landesfrauenbeauftragte - mit dem Schwerpunkt Frauengesundheitspolitik. Übrigens genau aus dem Grund, den Sie formulieren: Wie wir mit Schwangerschaft und Geburt in unserer Gesellschaft umgehen drückt aus, wie human unsere Gesellschaft ist, wie sie mit Frauen umgehen will und mit Kindern.
Nun konkreter: Ich habe an dem neuen Nationalen Gesundheitsziel "Gesundheit rund um die Geburt" mitgearbeitet, das gerade vom Bundesministerium für Gesundheit veröffentlicht worden ist: www.gesundheitsziele.de. Dieses Gesundheitsziel geht von einem salutogenetischen Ansatz aus. Und wenn der realisiert werden soll muss die geburtshilfliche Begleitung überdacht werden. Hebammen kommt damit eine noch größere Bedeutung zu. Für den klinischen Teil der Hebammenarbeit - und für die gebärenden Frauen - wollten wir eine 1:1-Betreuung durch Hebammen durchsetzen. Da das Gesundheitsziel dem Konsensprinzip verpflichtet ist konnten wir bei der bekannten Zusammensetzung der Arbeitsgruppe diese Forderung nicht durchsetzen. Trotzdem läutet das Gesundheitsziel einen Paradigmenwechsel ein und die Inhalte sind nicht zu unterschätzen.
Auch Verdi setzt sich im Einflussbereich der Gewerkschaft gezielt für eine verbesserte Arbeitssituation der Hebammen ein. Ich hoffe auch sehr, dass wir gemeinsam das Sterben der kleineren geburtshilflichen Abteilungen verhindern können.

Vielen Dank für Ihre Nachfrage. Und wählen Sie bitte!
Ihre
Ulrike Hauffe

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