Ruth Hasberg fragte am 29.05.2017

Liebe Frau Hauffe, mich interessiert besonders, wie Sie zum sogenannten Präventionsgesetz stehen. Welche neuen Möglichkeiten zur Gesundheitsförderung sehen Sie durch dieses noch recht junge Gesetz? Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit den anderen Akteuren vor, die im Gesetz angestrebt wird und werden in Zukunft auch mehr Erwerbslose von Gesundheitsförderung profitieren? Dankeschön!

Ulrike Hauffe antwortete

Liebe Frau Hasberg,

ehrlich gesagt: Wir haben lange darauf gewartet, viele Jahre, bis dass es endlich zu einem verabschiedeten Präventionsgesetz gekommen ist. Ich weiß garnicht mehr, in wie vielen Koalitionsverträgen der jeweiligen Bundesregierung dieses Gesetzesvorhaben gestanden hat. Folge ist: Wir sind froh, dass es eins gibt. Aber auch: Es ist nicht der große Wurf, aber auf jeden Fall besser als nichts.
Sehr ärgerlich ist, dass aus diesem Geldtopf jährlich ein zweistelliger Millionenbetrag - also aus unseren Versichertengeldern - der BZgA zugute kommt. Sie soll eine koordinierende Rolle einnehmen. Dass sie das tun soll kann richtig sein, aber dass eine nachgeordnete Bundesbehörde von Versichertengeldern bezahlt wird ist eine Schweinerei und macht den Topf für Präventionsmaßnahmen regelmäßig leerer.

Ich gehöre nicht zu denen, die denken, nur wenn alle Forderungen erfüllt sind kann ich etwas gutheißen.
Also - gut ist, dass es drei Stränge gibt, von denen zwei besonders wichtig sind:
- das Betriebliche Gesundheitsmanagement, von verdi schon lange gefordert!
und
- der sog. Setting-Ansatz, heißt: Gesundheitsförderung vulnerabler, also besonders krankheitsanfälliger Gruppen in ihren jeweiligen Milieus.
- Der dritte Strang bleibt weiterhin die individuelle Prävention, die aber bekanntermaßen eher dem Bildungsbürgern und -bürgerinnen zugute kommt, da sie eine höhere Bereitschaft zur Nutzung individueller Angebote mitbringen. Zudem wurde ein geschlechtsdifferenter Ansatz als bindend zugrunde gelegt, was mir als eine Fachfrau für Frauengesundheit besonders wichtig ist. Ab jetzt wird es kompliziert. Der Bund hat Rahmenrichtlinien entwickelt, jedes Bundesland entwickelt eigene, davon abgeleitete. Und nun beginnt das Spiel der Kräfte von Land, Kommunen, Krankenkassen und Anbietern - alle mit ihren spezifischen Interessen. Und zu diesem Zeitpunkt können wir noch garnicht sagen, ob die Umsetzung gelingen wird. Auch nicht, ob insbesondere Arbeitslose erreicht werden, oder Alleinerziehende - beides Gruppen, von denen wir wissen, dass sie besonderer Beachtung bedürfen.
Für Sie heißt das: bitte aufmerksam sein dort, wo Sie wohnen und ggfs. noch einmal bei mir hier auf Sozialversicherung.watch nachfragen. Sie können sicher sein, dass ich die Entwicklung begleiten werde.
Und ich würde mich freuen, wenn Sie bei der Sozialwahl die verdi-Liste mit all ihren kompetenten Mitgliedern wählen würden.

Ihre
Ulrike Hauffe

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